Die Kultur Wolhyniens

Zurück

[wolhynien][familiengeschichte][umsiedlung][kartenmaps]

 


 

Die Sprache Wolhyniens

Standarddeutsch Plautdietsch Woliniendeitsch

Hochdeutsch / Wolynisch

Standarddeutsch / Wolyniendeutsch

 


 

 

Wolhynien ist mein Heimatland
Wolhynierlied
Frau, du sollst nach Hause kommen
An die Freude
Das Wolinierlied

Wolhynien ist mein Heimatland
(aus Wolhynien, 19. Jahrhundert)

Wolhynien ist mein Heimatland,
Lieb es auch immerdar;
Ist es auch nicht mein Heimatland,
Doch Heimat ist's fürwahr!


Hier sang die liebe Mutter mein
Das Wiegenlied mir schön:
Schlaf Herzenskindchen,
Schlafe ein, am Bett die Englein stehn.


Der Wälder Rauschen schwebt dahin:
Wie Orgelton es klingt!
Die Herden auf den Wiesen ziehn,
Der Hirte lustig singt.

Hier fahr ich früh am Morgen aus
Mit Egge und mit Pflug;
Sä fleissig meinen Samen aus,
Und Gott macht alles gut.

Gebaut von Holz mein Häuschen ist,
Das Dach gedeckt mit Stroh.
Nicht weit vom Haus ein Bächlein fliesst,
Wie murmelt es so froh!

Drum lieb ich auch die Heimat sehr!
Sag es vor aller Welt:
Du liebe Heimat bist mir mehr
Denn Reichtum Gut und Geld!


Wolhynierlied
Gustav Tytschkowski
(Melodie - Ewald Weiss)


Wir halten all zum deutschen Volk
Und fest zum Glauben unsrer Väter.
Das deutsche Wort, der deutsche Sang
Er bleibt trotz Feinden und Verrätern.

Und hat durch soviel Not und Pein
Das Schicksal uns umhergetrieben,
Nach Süd und Norden, Ost und West,
Sind wir doch immer deutsch geblieben.

Drum wollen wir such fernerhin
So sein, wie Gott es uns gegeben;
Wolhynien ist mein Heimatland
Und deutsch sein Schaffen, Leib und Leben!


Frau, du sollst nach Hause kommen
(aus Wolhynien, 19. Jahrhundert)
Frau, du sollst nach Hause kommen,
Denn der Mann ist da.
Ist er da, juch ha ha!
Sag, ich werd' bald kommen!

Frau, du sollst nach Hause kommen,
Denn der Mann will essen.
Will er essen, hab's vergessen.
Sag, ich werd' bald kommen!

Frau, du sollst nach Hause kommen,
Denn der Mann ist krank.
Ist er krank, Gott sei Dank!
Sag, ich werd' bald kommen!

Frau, du sollst nach Hause kommen,
Denn der Mann ist tot.
Ist er tot, hat's keine Not.
Sag, ich werd' bald kommen!

Frau, du sollst nach Hause kommen,
Denn sie trag'n ihn fort.
Trag'n ihn fort an ein' gut'n Ort.
Sag, ich werd' bald kommen!

Frau, du sollst nach Hause kommen,
Denn sie scharr'n ihn zu.
Scharr'n ihn zu in guter Ruh.
Sag, ich werd' bald kommen!

Frau, du sollst nach Hause kommen,
Denn du bist allein.
Bin allein, das ist fein.
Jetzt werd' bald kommen!
 
An die Freude
(Text: Friedrich von Schiller)
(Freude schöner Götterfunken auf Wolinisch)

Freide, schener Getterfunken,
Tochter aus Elisium,
Wir betreten feiertrunken,
Himmlische, dein Heiligtum.
Deine Zauber binden wieder,
Was die Mode Schwert geteilt;
Bettler werden Firschtenbrieder,
Wo dein sanfter Fliegel weilt.

Seid umschlungen, Millionen!
Diesen Kuss der ganzen Welt!
Brieder, iberm Sternenzelt
Muss ein lieber Vater wohnen.

Wem der grosse Wurf gelungen,
Eines Freindes Freind zu sein,
Wer ein holdes Weib errungen,
Mische seinen Jubel ein!
Ja - wer auch nur eine Seele
Sein nennt auf dem Erdenrund!
Und wers nie gekonnt, der stehle
Weinend sich aus diesem Bund!

Was den grossen Ring bewohnet,
Huldige der Simpathie!
Zu den Sternen leitet sie,
Wo der Unbekannte thronet.

Freide trinken alle Wesen
An der Bristen der Natur,
Alle Guten, alle Besen
Folgen ihrer Rosenspur.
Kisse gab sie uns und Reben,
Einen Freind, geprieft im Tod.
Wollust ward dem Wurm gegeben,
Und der Cherub steht vor Gott.

Ihr stirzt nieder, Millionen?
Ahnest du den Schepper, Welt?
Such ihn iberm Sternenzelt!
Iber Sternen muss er wohnen.

Freide heisst die starke Feder
In der ewigen Natur.
Freide, Freide treibt die Räder
In der grossen Weltenuhr.
Blumen lockt sie aus den Keimen,
Sonnen aus dem Firmament,
Sphären rollt sie in den Raimen,
Die des Sehers Rohr nicht kennt.

Froh, wie seine Sonnen fliegen
Durch des Himmel prächtgen Plan,
Wandelt, Brieder, eire Bahn,
Freidig, wie ein Held zu Siegen.

Aus der Wahrheit Feierspiegel
Lächelt sie den Forscher an.
Zu des Glaubens stillem Hiegel
Leitet sie des Dulders Bahn.
Auf des Glaubens Sonnenberge
Sieht man ihre Fahnen wehn,
Durch den Riss gesprengter Särge
Sie im Chor der Engel stehn.

Duldet mutig, Millionen!
Duldet fier die bessre Welt!
Droben iberm Sternenzelt
Wird ein grosser Gott belohnen.

Gettern kann man nicht vergelten;
Scheen ists, ihnen gleich zu sein.
Gram und Armut soll sich melden,
Mit den Frohen sich erfrein.
Groll und Rache sei vergessen,
Unserm Todfeind sei verziehn.
Keine Träne soll ihn pressen,
Keine Reie nage ihn

Unser Schuldbuch sei vernichtet!
Ausgesehnt die ganze Welt!
Brieder - iberm Sternenzelt
Richtet Gott, wie wir gerichtet.

Freide sprudelt in Pokalen,
In der Traube goldnem Blut
Trinken Sanftmut Kannibalen,
Die Verzweiflung Heldenmut - -
Brieder, fliegt von eiren Sitzen,
Wenn der volle Remer kreist,
Lasst den Schaum zum Himmel spritzen:
Dieses Glas dem guten Geist!

Den der Sterne Wirbel loben,
Den des Seraphs Himne preist,
Dieses Glas dem guten Geist
Iberm Sternenzelt dort oben!

Festen Mut in schwerem Leiden,
Hilfe, wo die Unschuld weint,
Ewigkeit geschwornen Eiden,
Wahrheit gegen Freind und Feind,
Männerstolz vor Kenigsthronen, -
Brieder, gält' es Gut und Blut -
Dem Verdienste seine Kronen,
Untergang der Liegenbrut!

Schliesst den heilgen Zirkel dichter,
Schweert bei diesem goldnen Wein,
Dem Gelibde trei zu sein,
Schweert es bei dem Sternenrichter!

Die Europa-Hymne = Die Eiropa-Himne; Freude = Freid [fraid], Freide; schöner = schener; Götterfunken = Getterfunken; Elysium = Elisium; feuertrunken = feiertrunken; Zauber = Ssauber, Zauber; Mode = Mod [mo:d], Mode; Fürstenbrüder = Firschtenbrieder; Flügel = Fliejel, Fliegel; überm = iberm; Sternenzelt = Sternensselt, Sternenzelt; Freundes = Freindes; Freund = Freind; zu = ssu, zu; huldige = huldije, huldige; Sympathie = Simpathie; Brüsten = Bristen; Büsen = Besen; Küsse = Kiss, Kisse; geprüft = geprieft; stürzt = stirzt; Schöpfer = Schepper; ewigen = ewijen, ewigen; Röder = Röder ['re:dər]; Räumen = Raimen; fliegen = fliejen, fliegen; prächtgen = prächtjen, prächtgen; eure = eire; freudig = freidig; Siegen = Siejen, Siegen; Feuerspiegel = Feierspiejel, Feierspiegel; Hügel = Hiejel, Hiegel; für = fier; Göttern = Gettern; schön = scheen, schen; erfreun = erfrein; verziehn = verssiehn; Träne = Träne ['tre:nə]; Reue = Rei, Reie; nage = nag, naghe, nage; ausgesähnt = ausgesehnt; Verzweiflung = Verssweiflung; fliegt = fliecht, fliegt; euren = eiren; Römer = Remer; zum = ssum; Hymne = Himne, Hymne; Hülfe = Hilfe; Königsthronen = Kenigsthronen; Lügenbrut = Liejenbrut, Liegenbrut; heilgen = heiljen, heilgen; Zirkel = Ssirkel; schwört = schweert, schwert; Gelöbde = Gelibde; treu = trei

Das Wolinierlied

(Zeit und Autor unbekannt)

Aus Wolinien sind vertrieben alle Deitschen arm und reich,
keiner ging den Weg auf Rosen, alle waren sie jetzt gleich.

Sonntag frieh, am fimften Juli, gerade zu der Erntezeit,
mussten weg die Vielgeplagten, alle, arm' und reiche Leit'!

Angespannt und schwer beladen stand der Wagen vor der Tir,
manche Sachen, oh wie schade, blieben hier noch liegen mir.

Vorwäärts gings durch Sturm und Wetter, auf Befehl der Obrigkeit,
keiner fand jetzt einen Retter, der ihn aus der Not befreit.

So gings vorwärts durch die Wälder, iber Hiegel, Berg und Tal,
iber Felder und durch Städte und durch Derfer ohne Zahl.

Auf den Stremen statt mit Dampern fuhren wir in einem Kahn,
und auf Wegen mancher Arten, dann zuletzt per Eisenbahn.

Auf dem langen Triebsalswege kam der Tod, hielt gleichen Schritt,
kleine Kinder, alte Leite, Jugendbliete nahm er mit.

Es ist gar nicht zu beschreiben diese grosse Triebsalszeit.
Jeden drickten schwere Sorgen. Ach, wann endet doch das Leid?

Endlich ist der Tag gekommen, da wir in Sibirien hier
freindlich wurden aufgenommen, fanden Wohnung, Nachtquartier.

Haben hier bei russ'schen Leiten Obdach fier die Winterzeit.
So sorgt Gott in schweren Zeiten, ihm sei Dank in Ewigkeit!

Was vergangen und geschehen, hat ein jeder schon gefiehlt,
aber wies uns noch wird gehen, ist uns allen hier verhillt.

Doch das eine ist uns sicher, dass es geht nach Gottes Rat.
Er ist ja der rechte Richter, der noch nie gefehlet hat.

Er wird ja die Seinen schitzen in der grossen Triebsalszeit:
sollten gleich die Berge stirzen und uns droh'n die Ewigkeit.

Das hat Gott vor allen Zeiten jedem Glaib'gen kundgetan
und er will auch uns bereiten ein gelobtes Kanaan.

Drum getrost in trieben Stunden, gehts auch gleich durch schweres Leid,
denn darinnen hat gefunden mancher seine Seligkeit.

Gott fiehrt zwar auch seine Kinder oft in grosses Herzeleid,
damit doch ein jeder Sinder denke an die Ewigkeit.


Mehr Infos hier...

 [wolhynien][familiengeschichte][umsiedlung][kartenmaps]



Eigene Webseite von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!